Falscher Mehltau bereitet im Weinbau grosse Sorgen

Die massiven Niederschläge haben zu einem enormen Druck bezüglich des Falschen Mehltaus in den Weinbergen geführt. Über das vergangene Wochenende scheint aufgrund des Schadbildes nun eine sehr starke Infektion erfolgt zu sein.

«Aus dem ganzen Kanton erreichen uns Meldungen von Mehltauausbrüchen bis in die Traubenzone», schreibt Beat Kamm, Präsident der Branchenverbandes Zürcher Wein (BVZW) in einer Mitteilung an die Mitglieder. «Wir haben seit Montag bereits viele Telefonate von verzweifelten Winzern erhalten», sagt der Schaffhauser Rebbaukommissär Markus Leumann auf Anfrage. Und der Oberhallauer Pflanzenschutzberater Hansueli Graf warnt sogar, es bahne sich eine Katastrophe an. Tatsächlich: Was gegenwärtig in den Reben und auf den Feldern abgeht, zeigt die bittere Realität, dass es ohne Pflanzenschutz nicht geht. Schon in konventionell behandelten Rebparzellen sehe es dramatisch aus. Als Folge des Falschen Mehltaus (Peronospera) zeichne sich ein Teil- oder gar ein Totalausfall ab. «Seit gestern hat der Befall des sichtbaren Falschen Mehltaus an verschiedenen Orten, Lagen und Sorten extrem zugenommen», fügt Graf bei. Denn der weisse Pilzrasen auf der Blattunterseite hat nun auch die Trauben befallen (Abb. 1 und 2). Die Gründe für diesen intensiven Befall kann Graf wie andere Fachleute vorerst nur abschätzen. «Die extreme Witterung als Ursache und verschiedene andere Faktoren können noch nicht klar zugeordnet werden», meint Graf. Eine erste, zu spät erfolgte Behandlung, zu lange Intervalle, hoher Unterwuchs, dichte Traubenzonen oder auch die Applikationstechnik können mögliche Gründe sein. Für viele Rebleute ist diese Meldung mit der seit mehreren Wochen anhaltenden nasswarmem Witterung mit teilweise sehr hohen Niederschlagsmengen nicht überraschend. «Seit dem 19. Juni herrschten fast durchgehend Bedingungen für Boden- und Sekundärinfektionen», ist in der jüngsten Winzerinfo für die Deutschschweiz zu lesen.

 

Abb. 1: Mehltauausbrüche bis in die Traubenzone können drastische Konsequenzen haben.

 

Abb. 2: Weisser Pilzrasen auf der Blattunterseite.

 

Die Lage erinnert an eine ähnliche Situation vor einigen Jahren in der Bündner Herrschaft, wo es regional sehr eingegrenzt zu einem massiven Befall mit beträchtlichen Schäden kam. Besonders auffällig ist derzeit, wie unterschiedlich sich der Befall in parallel behandelten Rebfeldern präsentiert. Innert weniger hundert Meter variieren die Schadensbilder stark, von praktisch unversehrt bis hin zum Totalausfall. Insbesondere erschweren oder verhindern die enormen Niederschlagsmengen das Befahren der Böden in Steillagen, somit kann der notwendige Pflanzenschutz nicht wie gewünscht ausgeführt werden.

Roland Müller/SZOW