Lesermeinung

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Zum Thema «Versand von Weinpaketen»


«Ich denke, es ist an der Zeit, diese Problematik auf den Tisch zu bringen. Werden die Weinpakete mit der Post versandt, ist es einfach: Zeitpunkt ist in etwa klar und wenn ich nicht zu Hause bin, kann ich diese in der Nähe abholen. Bei Transportunternehmungen muss ich mich erkundigen, wann das Paket kommt. Nicht selten ist das nicht zu eruieren, es kommt irgendwann, und wenn ich nicht zu Hause bin, beginnt das gleiche Spiel von vorne. Ich möchte dieses Problem zur Diskussion stellen: Wer Weine online bei Winzern bestellt, hat häufig mehr Ärger als erlaubt, ausser sie kommen mit der Post. Die Folge: Der Kunde kauft flaschenweise beim Grossverteiler im Geschäft.»

– Alfred Müller

 

 

 

Zum Thema «Veganer Wein»


«Ich muss immer wieder mein langsam ergrauendes Haupt schütteln, wenn ich Artikel oder Fragen oder vor allem Antworten auf Fragen zu «veganem Wein» lese oder höre. Mit Verlaub, das ist nichts als Marketing-Geschwurbel. Ausser ein Betrieb hat einen vollautomatischen Infrarot-Sortiertisch mit Druckluftsönderung bei der Anlieferung stehen. Das dürfte in der Schweiz aber kein einziger Betrieb sein. Alle anderen machen keinen veganen Wein. Denn wer kann garantieren, dass beim Trauben mahlen nicht Menge X an Insekten in die Maische gelangt? Im einen Jahr mehr, im anderen weniger. Die werden dann gepresst oder eingemaischt, je nach dem und führen teilweise auch zu bekannten Problemen (Asiatische Baumwanze oder Marienkäfer). Das soll dann vegan sein, weil Bentonit oder pflanzliches Protein zur Schönung verwendet wird? Ein seltsamer Ansatz von «vegan». Entweder kamen tierische Lebewesen zu Schaden (= nicht vegan) oder dann nicht (= vegan). Aus meiner Sicht: Es gibt Weine, die ohne tierische Hilfsprodukte gekeltert wurden und solche, die mit tierischen Hilfsprodukten gemacht sind. Das könnte so deklariert werden. Vegan ist kein Wein wenn nicht garantiert ist, dass kein einziger Marienkäfer, Ohremüggeler oder ein Wespi beim Keltern in die Maische geriet.»

– Holger Herbst

 

 

 

Leserfrage «Was ist veganer Wein»


«Wir machen im Nebenerwerb noch etwas eigenen Wein für unsere Besenbeiz. Letzthin hat mich ein Kunde angesprochen, ob unsere Weine vegan seien? Ich verstand zuerst nicht ganz, und er fragte, ob die Weine im Keller mit tierischen Produkten in Kontakt gekommen seien. Ich verneinte, aber habe mich hinterher im Internet etwas schlauer gemacht. Bis dato habe ich etwas Bentonit im Most und Gelatine im Jungwein eingesetzt. Fragen darüber habe ich mir nie gestellt, obwohl ich eigentlich schon ahnte, dass Gelatine tierischen Ursprungs ist. Gibt es denn vegane Alternativen zur Schönung und wie ist deren Wirkungsgrad?»

– T. Badertscher
 

Besten Dank für Ihre Anfrage. Ja, Ihr Kunde hat ein sehr aktuelles Anliegen geäussert. In der Wein- und Lebensmittelherstellung allgemein werden häufig (noch) tierische Produkte eingesetzt, tierische Eiweisse zur Most- und Weinbehandlung. Hausenblase, Hühnerei, Magermilchpulver, Gelatine und einige mehr dürfen seit jeher für die Weinbereitung eingesetzt werden. Es gibt aber immer mehr Alternativen auf Basis von Pflanzenproteinen zur Schönung von Weinen. Der Wirkungsgrad dieser Mittel ist mittlerweile ähnlich hoch wie bei herkömmlichen Produkten (s. Artikel: Arbeiten im Keller). Wir haben einige gängige Schönungsmittel verschiedener Anbieter tierischer und pflanzlicher Herkunft in mehreren Versuchen verglichen und können hinter allen Produkten in Wirkung wie auch in sensorischen Belangen stehen. Kleiner Tipp: Anfang Jahr wurde im Rahmen dieses Themas eine SRF-Sendung unter dem Titel «Was ist veganer Wein?» ausgestrahlt.

– Thierry Wins, Agroscope

 

 

 

Zum Artikel «Reduktive oder oxidative Mostbehandlung? Einfluss auf die Haltbarkeit der Weissweine» von Volker Schneider (09/2021)

«Die Artikel von Volker Schneider sind nicht nur wissenschaftlich präzise, sondern überdies auch äusserst verständlich formuliert. Leider lässt sich Gleiches nicht für alle Autoren der SZOW sagen. Die in letzter Zeit vermehrt abgedruckten Interviews sind eine journalistisch «billige» Art, die Seiten zu füllen, (…) mit sehr wenig sachlich relevantem Inhalt. Einzelmeinungen halt.»    

– Bendicht Beglinger 

 

 

Zum «Profitalk mit Hélène Noirjean» (16/2021)
 

«Es sollte nur eine Stimme geben innerhalb eines Verbands, heute gibt es wohl x Stimmen und das kostet dermassen viel, sodass wichtige Errungenschaften, die nötig wären, kaum realisiert werden oder wenn, dann nur in Mini-Döschen ohne Gewicht. (…) Heute agiert fast jede Weinregion für sich, scheinbar hat es mehr als genug Geld dafür. Vor allem die Grossen zieren die Werbeplakate.»

– Alfred Müller

 

 

Zum Artikel «Vom Prinzip Hoffnung zum Prinzip Import?» (16/2021)


«Die Aussage, dass insbesondere Biobetriebe im Sommer 2021 grosse Ertragsausfälle erlitten, passt ins Bild: Nämlich, wenn neue synthetische Pflanzenschutzmittel noch schneller zugelassen würden, garniert mit etwas Gentechnologie, dann wäre die Welt wieder in Ordnung. Moon Privilege lässt grüssen! Dabei wäre etwas mehr Demut seitens der Pflanzenschutzvertreterinnen angesagt, denn dieses Jahr waren sowohl konventionelle Weinbaubetriebe als auch Bio-Produzenten mit grossen Ernteausfällen konfrontiert. Ob neue Spritzmittel in Anbetracht der Wetterverhältnisse geholfen hätten, ist ziemlich fragwürdig. In einer Zeit, in der immer mehr polarisiert und mit diffusen Ängsten operiert wird, wäre es angebracht, stattdessen für ein Miteinander zu plädieren.»       

– Matthias Diemer

 

 

«Bei einer differenzierten Beobachtung zeigt sich, dass es bei Kultursorten durchaus solche gibt, die eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen verschiedene Erreger haben und die ohne oder mit einem minimalen Pflanzenschutzmittel-Einsatz auskommen, auf jeden Fall ohne systemische. Als Vertreterinnen zweier Firmen, die Pflanzenschutzmittel herstellen, müssen Sie ja deren Notwendigkeit betonen. Es gehört zu Ihrer Marketing-Strategie. Andere Beobachtungen können ja nicht wahr sein. Ich wünsche Ihnen mehr Sachlichkeit, das saubere Trennen von Beobachtungen und Behauptungen, die Sie als Tatsachen hinstellen.»

– Josef Zoller 

 

 

«Genau das Jahr 2021 hat gezeigt, dass die konventionellen Betriebe, die mit chemisch-synthetischen Mitteln 8- bis 10-mal die beiden Mehltau-Pilze bekämpften, die gleichen, teilweise noch stärkeren Schäden hinnehmen mussten als ihre Bio-WeinbaukollegInnen. Die Erfahrung aus 2021 ist: Wo Kupfer richtig und zeitlich gezielt eingesetzt wurde, waren die geringsten Schäden zu verzeichnen! In unserem Öko-Betrieb wurden die beiden Mehltaupilze viermal – soweit es die Witterung zugelassen hatte – gezielt bekämpft. Mit 20 % Ertragsausfall im Durchschnitt haben wir nicht mehr Schäden als unsere konventionellen KollegInnen hinnehmen müssen.»

– Willi Stritzinger

Anmerkung der Redaktion

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