Pflanzenschutz: Schlussspurt in den Rebbergen

Nach der Besorgnis der letzten Wochen hat sich bei den kantonalen Fachstellen die Hoffnung durchgesetzt, dass trotz grosser Ausfälle und Ertragseinbussen die Weinernte 2021 noch nicht verloren ist. Das Fenster für Pflanzenschutzbehandlungen steht bis am 20. August offen, bei zugelassenen Kupferpräparaten sogar bis am 31. August.

Auch bei der letzten Video-Sitzung der Vertreterinnen und Vertreter der kantonalen Fachstellen zur Herausgabe des Newsletters «Winzerinfo» (bei dem auch die SZOW an der Produktion beteiligt ist), wurde über die Situation in den Rebbergen diskutiert. Wie der Schaffhauser Berater und Hagelexperte Hans-Walter Gysel sagte, sei es in seinem Kanton zu einer zweiten Mehltau-Welle gekommen. Fast über Nacht habe es Sorten erwischt, die bislang gut aussahen. Zuvorderst sei der Merlot betroffen. 

Dem pflichtete auch Michael Gölles vom Strickhof (ZH) bei. Es gebe extreme Unterschiede in ein und demselben Rebberg. Das Jahr sei, so fasste er zusammen: «Ein überaus lehrreiches Jahr, das keine Fehler verzeiht.»

Beat Felder, Rebbaukommissär in Luzern und ebenso zuständig für die Zentralschweiz, rechnet aufgrund des Hagels noch mit der halben Ernte. Was ihn verblüffte: Auch Cabernet Jura und Johanniter – eigentlich recht pilzresistente Piwi-Sorten – habe es erwischt. 

Walter Fromm, Rebbaukommissär im Kanton Graubünden, stiess ebenfalls auf das Problem mit befallenen Merlot-Flächen, meinte dennoch, dass sein Kanton bisher mit einem blauen Auge davon kam. Beträchtlich schätzte er das Risiko hinsichtlich eines Botrytis-Befalls aufgrund der prallen Trauben und der dünnen Traubenhäute ein.

 

Keine Verlängerung des Spritzfensters

Bis am 20. August steht das vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) geöffenete Fenster zur Pflanzenschutzbehandlung offen. Einzig zugelassene Kupfermittel dürfen – wenn nötig – noch bis zum 31. August eingesetzt werden. Stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, das Fenster länger offenzuhalten? Insbesondere, um noch eine Option gegen Botrytis in der Hinterhand zu haben. Wie eine kurze Diskussion unter den Beratern jedoch gezeigt hat, halten sie es nicht für angezeigt, in diese Richtung zu gehen. Und so dürften es auch die Fachleute des BLW sehen. Selbst bei nicht im Ertrag stehenden Jungreben gebe es in den Bewilligungen des BLW keine Ausnahme. Allerdings muss auch angefügt werden, dass der Mehltau-Druck nach dem Farbumschlag markant abnimmt. Anders sieht es tatsächlich bei der Botrytis aus. Hier sollte, wo nicht schon geschehen, die zweite Behandlung erfolgen. Zur Vermeidung vom Resistenzen muss beachtet werden, dass keine Doppelbehandlungen mit bereits verwendeten Wirkstoffen erfolgt.

 

Schlussspurt

Bis am Freitag wird es somit bei hoffentlich trockenem Wetter nochmals zu einer nationalen Pflanzenschutz-Offensive kommen, um die Reben mit ihren Trauben ein letztes Mal zu behandeln. Durchaus Sinn macht es, auch Parzellen mit einem Ertragsausfall weiterhin zu schützen. Denn die Einlagerung der Nährstoffe vollzieht sich allein über die Blätter. Sollten diese vom Pilz zerstört werden, entfällt der Nährstofftransport in die Wurzeln, was zu Mangelerscheinungen im kommenden Jahr führen kann.

SZOW