Rote Weinbergpfirsiche – wiederentdeckte Begleitkultur für Schweizer Rebberge

Weinbergpfirsiche sind ursprünglich durch Samen vermehrte Pfirsiche, die in Weinbergen wachsen. Es gibt weiss- und gelbfleischige Typen, doch es ist primär der Rote Weinbergpfirsich, der in Deutschland ein echtes Revival erfährt. Entlang der Mosel wird der Anbau in den steilen Rebhängen seit einigen Jahren erfolgreich gefördert. Weinberg­pfirsiche haben auch in Schweizer Rebbergen eine lange, wenig bekannte Tradition. Mit dem Projekt «Weinbergpfirsiche – alte neue Vielfalt für Schweizer Rebberge» soll die exotisch anmutende Frucht wieder das ­Landschaftsbild prägen und die Biodiversität sowie die Produktevielfalt der heimischen Landwirtschaft fördern.

Seit der Römerzeit werden Weinbergpfirsiche als Einzelbäume oder in kleinen Gruppen in Rebbergen kultiviert. Weinberg­pfirsiche dienten Rebleuten als Zwischenverpflegung oder wurden zu haltbaren Produkten verarbeitet. Die traditionelle Vermehrung durch Samen führte zu einer grossen Vielfalt an Sorten. Weiss- und gelbfleischige Sorten werden meist frisch konsumiert, aus den rotfleischigen Sorten lassen sich bei uns noch wenig bekannte Feinschmecker-Produkte herstellen. 


Für Positivschlagzeilen sorgen

Durch das Aufleben einer alten Tradition unter neuen Aspekten ­lassen sich Positivschlagzeilen für den Weinbau generieren. Dass dies funktionieren kann, zeigt die Weinregion Mosel, die ihren Mosel­weinbergpfirsich erfolgreich zu Marketingzwecken des ­regionalen Weins einsetzt (Abb. 1: Einstiegsbild).


Drei Gründe sprechen für die Förderung

Der Rohstoff Roter Weinbergpfirsich eignet sich vorzüglich zur Herstellung exquisiter, in der Schweiz noch weitgehend unbekannter Spezialitäten. An einem Sortiment solcher Produkte tüftelt zurzeit die Spitzenköchin Rebecca Clopath. Hierbei stehen Produkte im Vordergrund, die das Weinportfolio sinnvoll ­ergänzen, wie beispielsweise Likör oder ausgewählte Desserts. Die Ergänzung des Weinsortiments mit regionalen, innovativen Produkten ist der erste Grund für die Förderung des Roten Weinberg­pfirsichs. Ein zweiter ist die Aufwertung des ohnehin schönen Landschaftsbilds der Schweizer Rebberge. Denn im Frühling, wenn die Rebberge optisch noch wenig bieten, sind rosa blühende Blüten ­eine Augenweide und haben das Potenzial, sich zu einer Touristenattraktion zu entwickeln (Abb. 2). Und ein drittes, hoch aktuelles ­Argument, das für die Pflanzung von Roten Weinbergpfirsichen in Rebparzellen spricht, ist die Förderung der Biodiversität. Das wohl auffälligste Tier, das vom Roten Weinbergpfirsich gefördert wird, ist der Segelfalter, dessen Raupen sich unter anderem von den ­Blättern des Pfirsichbaums ernähren (Abb. 3). Könnte sich dieser prächtige Falter gar zum Testimonial für Schweizer Rebberge mit Roten Weinbergpfirsichen entwickeln?

 



Abb. 2: Die rosa Pfirsichblüten im Frühling sind eine Augenweide.

 

 



Abb. 3: Die Raupe des Segelfalters (Iphiclides podalirius) ernährt sich unter anderem von den Blättern des Roten Weinbergpfirsichs. 
 


Wider Reih und Glied

Anders als die optimal auf die rationelle Bewirtschaftung ausge­richtete Platzierung der Rebstöcke ist der Spielraum bei den Pfirsich­bäumen grösser. Der Ersatz von Reben durch Pfirsichbäume kann, muss aber nicht sein. Denn in den meisten Reb-
p­arzellen sind grössere oder auch ganz kleine Restflächen zu finden, die Platz für einen oder kleine Gruppen von Pfirsichbäumen bieten. Anders als andere (Obst-)Bäume lassen sich Pfirsich­bäume durch regelmässigen Schnitt und andere Massnahmen klein halten, so sind sie für die Reben kaum eine Konkurrenz um Sonne, Wasser und Nährstoffe.


Einen Effort wagen

In der Tat spricht eigentlich alles für die Pflanzung von Roten Weinbergpfirsichen in Schweizer Rebbergen. Was bleibt ist eine ­gewisse Unsicherheit bei der Sortenwahl, weil auch innerhalb der Roten Weinbergpfirsiche eine grosse Vielfalt an Sorten mit ganz verschiedenen Eigenschaften besteht (Abb. 4). Dabei sind unterschiedliche Reifezeitpunkte ein Aspekt, die Krankheitsanfälligkeit ein anderer. Realisation Schmid ­befasst sich seit einigen Jahren mit Roten Weinbergpfirsichen, was auch zu ersten Sortenempfehlungen führte. Mit jedem zusätzlichen Jahr kommen mehr Erfahrungen hinzu. Das Sortiment wird laufend optimiert und für die verschiedenen Standorte angepasst. Diese noch wenig fundierten Sortenempfehlungen sprechen momentan wohl am ehesten gegen einen Effort. Doch etwas Mut und die ­Neugier auf Neues wiegen dieses Manko mehr als auf.     

 



Abb. 4: Schweizer Sorten des Roten Weinbergpfirsichs, wie etwa «Bioley-Orjulaz» oder «Wil», werden zurzeit für den Anbau empfohlen.

An Pflanzungen interessiert?

Im Rahmen des vom Fonds Landschaft Schweiz FLS finanzierten Projekts «Rote Weinbergpfirsiche – alten neue Vielfalt für Schweizer Rebberge» wird die Pflanzung von Roten Weinbergpfirsichen innerhalb des Rebkatasters gefördert. Bis Ende 2022 sollen 1000 Bäume in Schweizer Rebbergen gepflanzt sein. Das Pflanzgut kann zu ­Sonderkonditionen bezogen werden. Ein Merkblatt zur Pflanzung und Pflege wird zur Verfügung gestellt und in losen Abständen werden die Produzenten per Mail über Aktualitäten zum Thema informiert. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte direkt an:



Andi Schmid, Tel 081 651 06 78, ­andi@realisation-schmid.ch


 

     Für Produkte aus Schweizer Roten Weinbergpfirsichen wurde ein Logo geschaffen.

Andi Schmid
Realisation Schmid, Scharans