Weinimport in die Schweiz: Fünf Player teilen sich eine Hälfte

Im vergangenen Jahr sind gesamt 358 847 Hektoliter Weiss- und 1 129 866 Hektoliter Rotwein eingeführt worden. Coop als grösster Importeur beanspruchte gesamthaft 21.8 %. Zusammen mit Denner, Bataillard AG, Aldi und Lidl führen die fünf Grössten über die Hälfte aller Weinimporte ein.

Im vorletzten Jahr hat jeder Bewohner der Schweiz bei leicht sinkender Tendenz 32.3 Liter oder 45 Flaschen Wein getrunken. Davon kamen rund 15 Flaschen aus der Schweiz, der Rest wurde eingeführt. Konkret heisst dies, dass rund zwei Drittel des gesamten Weinbedarfs durch Importe aus dem Ausland gedeckt werden und zugleich die eher hochpreisigen Schweizer Weine mengenmässig wie auch preislich unter Druck setzten. Seit Anfang der Neunzigerjahre wurde mit der Abschaffung der Einfuhrkontingente und Liquidierung der «Sofaimporteure» der bisher sehr strikt kontrollierte Import von Wein mit grosszügigen Gesamtzollkontingenten fast vollständig liberalisiert. Für 2020 liegt diese Kontingentmenge für Rot- und Weissweine bei 1 700 000 hl, wobei diese aktuell zu 26 % ausgeschöpft ist. Dabei wurde das sogenannte «Windhund»-Importverfahren an der Grenze eingeführt. So wird das gesamte Importkontingent am 1. Januar freigegeben und es kann in der Folge solange Wein eingeführt werden, bis das Zollkontingent aufgebraucht ist. Dies war in den letzten Jahren nie mehr der Fall. Zusätzlich besteht ein Zollkontingentsanteil «contingent particular» von weiteren 10 000 hl, das auf dem Französisch-Schweizerischen Protokoll vom 11. Juni 1965 basiert. Es darf an Personen zugeteilt werden, die den Wein mit Behältnissen von mehr als zwei Liter Inhalt einführen und dem Wein einzig Privatkunden inklusive Hoteliers und Restaurateure liefern. Der Wein darf nur für den persönlichen Bedarf oder zum Ausschank in den entsprechenden Betrieben unter völligem Ausschluss jeglichen Handels ausgeschenkt werden. 

Aufgrund der Importzahlen zeigt sich, dass sich eine gewisse Konzentration auf wenige Importeure mit grossem Marktgewicht gebildet hat. 2019 haben etwas mehr als 1800 Importeure 1 129 866 hl Rot- und rund 1700 Importeure 358 847 hl Weisswein in die Schweiz zu einem Literpreis von 6.68 Franken importiert. Das heisst, dass eine 75 cl-Weinflasche für 5.01 Franken eingeführt wurde. Mit über einem Fünftel (21.9 %) ist Coop die grösste Importeurin, wobei Denner (20.4 %) ebenfalls mit einem Fünftel direkt folgt. Drittgrösster Importeur ist die Bataillard AG in Rothenburg mit 5.2 %. Dahinter folgen Lidl Schweiz mit 3.9 % (58 274 hl) und Aldi Schweiz mit 3.5 % (51 592 hl). Somit importieren die fünf grössten Weinhändler der Schweiz mit 54.9 % deutlich mehr als die Hälfte der Weine. Zusammen mit den weiteren 15 grössten Importeuren werden 72.2 % abgedeckt. 


Nuancen zwischen Rot- und Weisswein

Bei Rotwein mit 2 49 495 hl (22.1 %) wie Weisswein mit 76 785 hl (21.4 %) ist Coop vor Denner die Anführerin, wobei Denner bei Rotwein 21.5 %, aber bei Weisswein nur 16.8 % beansprucht. In dritter Position für beide Weinarten steht die Bataillard AG, die bei Rotwein 4.9 %, aber bei Weisswein 6.2 % erreicht. Bei Weisswein folgt an vierter Stelle die Divino AG, Münchenbuchsee, die 17 235 hl (4.8 %) eingeführt hat. Dahinter folgen Lidl mit 4.8 und Aldi mit 4.5 %. Es gibt auch Kellereien, die nicht anteilsmässig gleichviel Rot- und Weisswein importieren. So weisen die Cave Mövenick SA oder Otto’s Warenposten prozentual mehr Rot- als Weissweineinfuhren aus. Im Gegensatz dazu importiert die Weinwelt Martigny Weisswein. In der Statistik sind zahlreiche Kleinstmengen von weniger als 100 L erfasst. Auffallend viele Gastronomiebetriebe und auch Privatpersonen gehören zu dem Importeuren. 

Neben dem Weinimport sind 2018 zudem 66 618 kg Trauben zur Kelterung von Wein durch 15 Kellereien in Mengen von 44 bis 20 310 kg eingeführt worden. Zugleich kamen 7279 t Traubensaft über die Grenze. Dabei entfallen 2766 t auf die Ramseier Suisse AG und weitere 2373 t auf Rimuss & Strada Wein AG in Hallau. Die Statistik umfasst auch die Einfuhr von verdünntem Traubensaft, wobei es hier 220 201 kg waren. 


Wertmässig nur mehr Früchte importiert

Aufgrund der vorhandenen Zahlen zur Aussenhandelsstatistik 2018 hat die Schweiz gesamthaft 1 776 680 hl Wein und Traubenmost für 1.188 Milliarden Franken importiert. Damit entspricht der Import von Wein mengen- wie auch wertmässig rund das Doppelte von Fleisch (688 Mio.), Milchprodukten (636 Mio.) oder Gemüse (614 Mio.). Früchte wurden mit 1.331 Mia. Franken wertmässig eingeführt. Damit wird die Bedeutung des Weins und nicht zuletzt auch jene des Schweizer Weinbaus eindrucksvoll untermauert. Konkret kamen im Vergleich zu Wein ein Kilogramm Fleisch für 8.90 Franken, das Kilogramm Käse für 6.85 Franken oder Zitrusfrüchte für 1.43 Franken über die Grenzen in die Schweiz. Die Statistik verweist aber auch auf den eher bescheidenen Schweizer Weinexport von 12 140 hl Rot- und Weisswein, was der Produktion der Weinlage am Bielersee (223 ha) entspricht.


Dunkelziffer

Die Weinimporte dürften aber durchaus noch deutlich höher liegen, da die Einfuhren im kleinen Grenzverkehr nicht erfasst sind. Bekanntlich können fünf Liter Wein pro erwachsene Person zollfrei eingeführt werden, was bei den beliebten motorisierten Reisen vor allem in die europäischen Weinbaugebiete der Fall ist. Wer entsprechend zu zweit in die Toscana, ins Piemont, nach Frankreich oder Österreich in eine Weinbauregion reist, kann 12 Flaschen Wein einführen. Gerade mit Blick auf grenznahe Weingüter im süddeutschen Raum zeigt sich, dass ein Grossteil der Weine über diesen Weg in die Schweiz gelangen. Ein Blick in die kommunalen Ganzglassammelgitter zeigt, dass viele der entsorgten Flaschen eine solche Herkunft haben.

Roland Müller