Weinlese 2019: Qualität sehr

gut, Menge leicht unterdurchschnittlich

An der Herbstversammlung des Branchenverbandes Deutschschweizer Wein (BDW) in Zürich wurden die Zahlen der Weinlese 2019 in der Deutschschweiz präsentiert. Dabei verzeichnete man bei einer sehr guten Qualität leicht unterdurchschnittliche Erträge.

Jetzt liegen die ersten konkreten Zahlen über die Weinlese 2019 für die gesamte Deutschschweiz vor. Wohl sind diese Zahlen, welche traditionsgemäss an der sehr gut besuchten Herbstversammlung des BDW in Zürich auf den Weinschiffen präsentiert worden sind, provisorisch. Doch Korrekturen sind für alle Deutschschweizer Kantone (Aargau, Bern unterteilt in die Regionen Bieler- und Thunersee sowie übriges Bern, beide Basel, Solothurn, Graubünden, Luzern, St. Gallen, Schaffhausen, Schwyz, Thurgau und Zürich) nur noch im Kommabereich zu erwarten. Zugleich erfasst die Statistik auch die weiteren Weinbauregionen in beiden Appenzell, Glarus, Zug, Nid- und Obwalden und Uri, welche durch verschiedene bereits aufgeführte Fachstellen betreut werden.  

Es hat sich in den letzten Jahren die Tradition eingebürgert, dass jeweils einer der Deutschschweizer Rebbaukommissäre oder Fachstellenleiter Rebbau die Zahlen auf der Panta Rhei präsentiert. In diesem Jahr fiel diese Aufgabe Andreas Buser zu, welcher in seiner Funktion als Rebbaukommissär für die Kantone beider Basel sowie Solothurn zuständig ist. «Wir verzeichneten bezüglich der verschiedenen Regionen eine sehr uneinheitliche Witterung. Der Austrieb erfolgte aufgrund der eher nasskalten Monate April und Mai spät», hielt Buser fest. Zugleich verwies er auf verschiedene Spätfröste, welche zum Teil zu Totalschäden führten. Zugleich strich er die beiden Hitzeperioden Ende Juni und Ende Juli hervor, welche in Verbindung mit der Trockenheit zum Teil für gravierende Sonnenbrandschäden führten. Gleichzeitig sprach er beziehend auf die Rückmeldungen der Kantonalen Fachstellen von einem sehr anspruchsvollen Jahr bezüglich des Pflanzenschutzes. «Wir verzeichneten in allen Kantonen bezüglich dem Falschen und insbesondere auch dem Echten Mehltau einen sehr massiven Krankheitsdruck. Zugleich war auch die Kirschessigfliege eine grosse Herausforderung», so Buser. All diese Faktoren führten zu einem erhöhten Ernteaufwand, wobei sich rückblickend eine gute Arbeit der Rebleute auszahlte. So stellte Buser aufgrund des eingebrachten Ernteguts eine gute Qualität in Aussicht.


Ertragsmässig unterdurchschnittliche Ernte

Mit rund 18 000 t fiel die Weinlese in der Deutschschweiz um rund 30 % geringer aus als im Vorjahr. Im Vergleich zum Mittelwert der vergangenen 10 Jahre liegen Luzern (480 t) mit 50 %, Schaffhausen (3 477 t) mit 12 % und Schwyz (243 t) mit 2 % über dem Mittelwert, während in St. Gallen (947 t) und Baselland (761 t) 95 % , in Graubünden 88 % (2 565 t) und Aargau 84 % (2 136 t) erreicht worden sind. In den Kantonen Zürich (4 500 t), Thurgau (1 500 t) und am Bielersee (1 585 t) sind exakt der Mittelwert erreicht worden. Bei den Flächenerträgen führt beim Blauburgunder der Kanton Schaffhausen mit 787 g/m2 die Rangliste an, vor dem Bielersee mit 715 g/m2. 652 g/m2 sind im Kanton Schwyz, je 650 g/m2 im Thurgau und in Luzern verzeichnet worden. Eher geringe Erträge sind im Aargau (549 g/m2), Baselland (573 g/m2), Graubünden (566 g/m2), St. Gallen (452 g/m2) und Zürich (550 g/m2) gelesen worden.

Bezüglich der Zuckerwerte beim Blauburgunder hat der langjährige Ostschweizer Leader Graubünden mit 93 °Oe seine langjährige Dominanz wiederum eingebüsst, indem er der Region Berner Bielersee mit 97 °Oe, dem Aargau und Baselland mit je 95 °Oe sowie Schaffhausen mit 94 °Oe den Vorrang geben musste. Beim Riesling-Silvaner ist es ebenfalls der Bielersee, welcher mit 84 °Oe die Rangliste vor Schaffhausen mit 82 °Oe sowie Aargau und Baselland mit je 81 °Oe anführt. Beim Riesling-Silvaner liegen ertragsmässig der Kanton Graubünden mit 973 g/m2, Schaffhausen mit 875 g/m2, Thurgau mit 803 g/m2 und der Bielersee mit 747 g/m2 in Front. Eher unterdurchschnittliche Werte verzeichnet man im Aargau, Baselland und Zürich (738g/m2), wobei auch hier St.Gallen mit 590 g/m2 den Abschluss bildet. Bezüglich Güte liegt der Bielersee mit 84 °Oe vor Schaffhausen mit 82 °Oe sowie dem Aargau und Baselland mit je 81 °Oe in Front. Zürich erreichte einen Mittelwert von 77 °Oe, jeweils Graubünden, Luzern und Thurgau je 76 °Oe sowie die Lagen am Thunersee (BE), St. Gallen und Schwyz je 75 °Oe.


Besonderheiten

Die von Buser präsentierten Zahlen weisen aber auch einige Überraschungen und Besonderheiten auf. Eine durchaus markante Veränderung hat sich bezüglich der Verwertung der Zürcher Trauben ereignet. Wurden 2006 noch fast 45 % der gesamten Ernte durch Selbsteinkellerer und 43 % vom Handel übernommen, so ist bei der Lese 2019 eine deutliche Verlagerung zugunsten des Handels erfolgt. So nahm der Anteil der Selbsteinkellerer innert Jahresfrist um vier auf 38 % ab, während der Handel um vier auf 46 % zulegte. 16 % sind 2019 für die Lohnkelterung und anschliessende Selbstvermarktung übernommen worden.  Auch im Kanton Bern kann man einen beachtlichen Strukturwandel feststellen. Die Zahl der Bewirtschafter sank um 5 auf 185 und auch Einkellerer verzeichneten einen Aderlass von 7 auf deren 71. Zugleich boomt der Bio-Anbau, welcher bereits 35 % erreicht und 2020 bei wahrscheinlich 50 % liegen wird. In der Innerschweiz und insbesondere im Kanton Luzern boomt der Weinbau. Dank der erneut gewachsenen Rebfläche verzeichnete man die zweithöchste je erzielte Ernte.

Titelbild

Das Weinjahr 2019 (hier abgebildet Hallau SH) geht als aufwendiges, aber auch ertragreiches Jahr in die Geschichte ein.

Roland Müller